Biostoffverordnung (BioStoffV)

(gültig seit April 1999)

 

 

 

 

Biostoffverordnung – jeder hat davon schon gehört (manchmal verwechselt mit „Biobauern, Biokartoffeln oder –tomaten) – das hat aber mit dieser BioStoffV nichts zu tun.

 

 

Die BioStoffV regelt und schreibt vor, wie mit mikrobakteriell kontaminierten Materialien zum Schutz der Beschäftigten umgegangen wird. Das können in der Zahntechnik alle vom Zahnarzt angelieferten Arbeiten und Materialien sein, die der Patient im Mund hatte, wie z.B. Abformungen, Prothesen, usw. Die Schutzmaßnahmen zielen in erster Linie auf die Verhütung von Virusinfektionen ab (z.B. Hepatitis B).

 

 

Für die Umsetzung der BioStoffV ist in erster Linie der Arbeitgeber verantwortlich, der sich natürlich über eine positive Einstellung und Unterstützung seiner Mitarbeiter freuen dürfte.

 

 

Als erstes sollte man erfassen, welche Tätigkeiten, gerade bei den aus der Praxis angelieferten Materialien, durchzuführen sind um sich effektiv vor Infektionen zu schützen. Bei den Tätigkeiten unterscheidet die BioStoffV zwischen gezielten und nicht gezielten Tätigkeiten.

 

 

 

Gezielte Tätigkeiten liegen vor, wenn

 

Ø       biologische Arbeitsstoffe bekannt sind.

Ø       die Exposition der Beschäftigten hinreichend bekannt sind.

Ø       die Tätigkeiten auf einer oder mehrerer biologischer Arbeitsstoffe unmittelbar ausgerichtet sind.

 

Nicht gezielte Tätigkeiten liegen vor, wenn mindestens eine der vorangegangenen Beschreibungen nicht gegeben ist.

 

Im Bereich der Zahntechnik liegen nicht gezielte Tätigkeiten vor. Es muss demnach eine Gefährdungsbeurteilung für Ihren Betrieb erstellt werden. (BioStoffV §§ 7 + 8)

 

Es sollte geprüft werden, welche Infektionsgefahren vorliegen und welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen.

Die biologischen Arbeitsstoffe werden entsprechend dem von ihnen ausgehenden Infektionsrisiko in 4 Risikogruppen eingeteilt. Je höher die Risikogruppe ist, desto größer ist das Infektionsrisiko.

 

Die Risikogruppe 1 beinhaltet im Wesentlichen biologische Arbeitsstoffe, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie eine Krankheit beim Menschen verursachen.

 

Biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppe 2 können Krankheiten bei den Beschäftigten hervorrufen, wobei eine Verbreitung in der Bevölkerung unwahrscheinlich ist und normalerweise eine wirksame Vorbeugung und Behandlung gegeben ist.

 

Biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppe 3 können eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und stellen somit eine ernste Gefahr für Beschäftigte dar, wobei die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung bestehen kann, jedoch normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich ist. Unter die Risikogruppe 3 fällt z. B. das Hepatitis B‑Virus, das in zahntechnischen Laboren aufgrund von Kontaminationen und des bestehenden Infektionsweges eine Rolle spielt.

 

Risikogruppe 4 sind biologische Arbeitsstoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen können und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist unter Umständen groß; normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.

 

Zu den Krankheitserregern, die nach dem heutigen Kenntnisstand in zahntechnischen Laboratorien von Bedeutung sind, zählen vor allem Mikroorganismen, die mit Speichel und/oder Blut übertragen werden können. Dies können z.B. sein: bestimmte Streptokokken (Risikogruppe 2), Viren die zu Infektionen der oberen Atemwege führen (Risikogruppe 2) und Hepatitis-B-Viren (Risikogruppe 3).

 

In den zahntechnischen Laboratorien sind die Sicherheitsmaßnahmen der Schutzstufe 1 und 2, ganz selten auch 3, nach der BioStoffV zuzuordnen.

Tätigkeiten am Desinfektionsplatz werden der Schutzstufe 2 zugeordnet. Als Folge der Gefährdungsbeurteilung hat nun der Arbeitgeber für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen (§ 10).

 

Das sind für die

Risikogruppe 2 die Sicherheitsmaßnahmen der Schutzstufe 2, für die Risikogruppe 3 Schutzstufe 3, usw.

 

Die Sicherheitsmaßnahmen der Schutzstufen 1 – 3 umfassen vor allen Dingen die allgemeinen Hygienemaßnahmen

 

 

Allgemeine Hygienemaßnahmen

 

-beispielhaft­-

 

Vor den Pausen und nach Beendigung der Tätigkeit sind die Hände zu waschen.

 

Arbeitskleidung ist regelmäßig und bei Bedarf zu reinigen und zu wechseln.

 

Pausenverpflegung ist von den Arbeitsstoffen getrennt aufzubewahren.

 

Vor dem Essen, Trinken, Rauchen etc. sind die Hände zu reinigen.

 

Arbeitsmedizinische Vorsorge

 

 

 

Technische (Desinfektionsplatz einrichten), organisatorische (Aus- und Einpackbereich im vorderen Laborbereich) und persönliche (Einmalhandschuhe, Hautcremes usw.) Sicherheitsmaßnahmen sind zu überprüfen und gegebenenfalls einzurichten.

 

 

 

 

 

Um in Ihrem Betrieb ein Höchstmass an Sicherheit und Gesundheitsschutz nach der BioStoffV zu bekommen, möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps und Hinweise geben:

 

 

Impfungen:

 

Beschäftigte, die biologischen Arbeitstoffen ausgesetzt sein können, ist eine Impfung anzubieten, die Kosten trägt der Arbeitgeber. Die einzige Krankenkasse die evtl. die Hepatitis-B-Impfung bezahlt ist die Schwäbisch Gmündener EK.. Eine Impfung schützt immer nur gegen Erreger, gegen den geimpft wurde! Aus diesem Grunde erhalten Hygienemaßnahmen eine ganz besondere Bedeutung, z.B. sollte am Arbeitsplatz nicht gegessen oder getrunken werden (eine weit verbreitete Unsitte bei den Zahntechnikern).

 

 

 

Statt Schmuckstücke (Ringe) sollten besser Einmalhandschuhe getragen werden.

 

Erstellen Sie einen Hygiene- und Hautschutzplan.

Desinfizieren Sie alle eingehenden Materialien und Werkstücke. Tauchdesinfektion! – Sprühdesinfektion nur für Arbeitsflächen verwenden. Zur Desinfektion sind nur Verfahren zulässig, bei denen der Hautkontakt mit Krankheitserregern und Desinfektionsmittel weitgehend ausgeschlossen ist.. Krankheitserreger während der Desinfektion nicht freigesetzt werden können, und kontaminierte Materialien vollständig mit Desinfektionsmittel benetzt werden können. (Tauchbad oder besser noch Hygo-Jet verwenden). Beschäftigte am Desinfektionsplatz müssen Einmalhandschuhe, Kittel und Hautschutzmittel benutzen. Fließendes Wasser muss am Desinfektionsplatz zum Abspülen der Materialien vorhanden sein. Ein Händewaschplatz mit Direktspender und mildem Hautreinigungsmittel, Händedesinfektion und Einmalhandtüchern muss in der Nähe zur Verfügung stehen. Werdende Mütter dürfen am Desinfektionsplatz nicht beschäftigt werden. (Schwangerschaft ist bei der Gewerbeaufsicht zu melden) Jugendliche dürfen nur unter Aufsicht eines Fachkundigen und wenn es zu Ausbildung erforderlich ist am Desinfektionsplatz eingesetzt werden.

 

Allen Beschäftigten im zahntechnischen Betrieb (außer Büro) sind Vorsorge-untersuchungen anzubieten. Vorsorgeuntersuchung G 42 „Infektionskrankheiten“

 

Um die Sensibilisierung der Versicherten hinsichtlich Hygienemaßnahmen, Verhalten, Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung, Impfung, etc. zu fördern, ist eine informative Unterrichtung der Beschäftigten Personen durchzuführen. Infektionswege und Möglichkeiten der Prävention sollten daher im Rahmen der Unterweisung detailliert angesprochen werden. (Jährliche Unterweisungen durchführen und unterschreiben lassen!) Vor Aufnahme der Tätigkeiten ist eine arbeitsbereichs und arbeitsbezogene Betriebsanweisung zu erstellen (BioStoffV § 12).

 

Dies sind, in der Zusammenfassung der Biostoffverordnung vom April 1999, die wichtigsten Punkte und Vorschriften die jeder im zahntechnischen Labor beachten sollte.

 

Für die Umsetzung der BioStoffV in Ihrem Betrieb bin ich Ihnen gerne behilflich.

 

 

Speziell für Ihren Betrieb kann ich die von der BioStoffV geforderten Schilder und Aushänge (Betriebsanweisungen, Hautschutzplan, Hygieneplan, Desinfektionsschilder, usw.) aufeinander abgestimmt, einlaminiert und mit Ihrem Namen versehen kostengünstig erstellen.

 

So informiert und ausgerüstet haben Sie einen großen Schritt zur Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Ihrer Mitarbeiter getan.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen und Hepatitis-B geimpft

 

 

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Hasso Lindemann

Fachkraft für Arbeitssicherheit